Text: Tobias Hennecke Bilder: Thomas Berberich

Bernhard May will an die DGV-Spitze: "Aus der Praxis für die Praxis"

Bernhard May weiß, wie der Alltag auf einer Golfanlage aussieht. Seit mehr als 20 Jahren führt er als Geschäftsführerdie Golfplatz Würzburg GmbH, seit 2017 ist er Präsident des Golf Club Würzburg. Jetzt will der 59-Jährige den nächsten Schritt gehen und die Führung des Deutschen Golf Verbandes (DGV) übernehmen.

Seine Kandidatur kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich an der Spitze des deutschen Golfsports ein Generationswechsel ankündigt. DGV-Präsident Claus M. Kobold wird nach zwölf Jahren im Amt 2027 nicht erneut antreten. May hat bereits die einstimmige Unterstützung des DGV-Länderrats erhalten.

Was ihn antreibt? Vor allem die Überzeugung, dass der Verband künftig näher an den Bedürfnissen seiner Mitglieder arbeiten muss.
„Aus der Praxis für die Praxis“ lautet sein Leitgedanke. Seine jahrzehntelange Erfahrung im Golfanlagenbetrieb wolle er nutzen, um Clubs und Betreiber besser auf die Herausforderungen der kommenden Jahre vorzubereiten.

Die wirtschaftliche Realität im Blick

May kennt die Sorgen vieler Golfanlagen. Steigende Kosten, Personalmangel, schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Probleme bei Mitgliedergewinnung und -bindung – für den Würzburger sind das die drängendsten Aufgaben.

„Die größten Herausforderung ist vielerorts die wirtschaftliche Stabilität (bzw. teilweise auch Überlebensfähigkeit) von Golfanlagen zu sichern“, erklärt May.

Gleichzeitig müsse der Golfsport neue Zielgruppen erreichen. Dabei auch besonders Frauen und jüngere Menschen stärker für Golf zu begeistern, zählt er zu seinen Prioritäten. Hinzu kommen Digitalisierung, regulatorische Anforderungen bei Pflanzenschutz und Wassereinsatz sowie die Frage, wie Golfanlagen ihre Leistungen für Natur und Umwelt besser vermitteln können.

Auch den Spitzen- und Breitensport will May gleichermaßen stärken.

Ein Verband, der ermöglicht statt reguliert

Besonders deutlich wird May, wenn es um das Selbstverständnis des DGV geht. Er wünscht sich einen Dachverband, der den Clubs weniger Vorgaben macht, sondern sie bei ihrer täglichen Arbeit stärker und serviceorientierter unterstützt.

Der DGV soll künftig nicht als „Regulierer“, sondern als „Ermöglicher“ auftreten.

„Der DGV muss Orientierung geben, gute Rahmenbedingungen schaffen und den Golfsport selbstbewusst in Sport, Politik und Gesellschaft vertreten.“

Für May gehört dazu auch, dass die Verantwortung für den Golfsport weiterhin maßgeblich bei den Clubs und Landesgolfverbänden bleibt.

Von Würzburg in die Verbandsspitze

Mays Verbindung zum Golfsport reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Sein Vater gründete 1984 den Golf Club Würzburg. Bernhard May begleitete den Bau der zunächst neun und später 18 Löcher umfassenden Anlage und übernahm als Clubmanager und mehr als 10 Jahre Vizepräsident Sport früh Verantwortung im Verein.

Heute ist er nicht nur Clubpräsident und Geschäftsführer, sondern auch in zahlreichen Gremien aktiv. Seit 2022 steht er an der Spitze der Leading Golf Clubs of Germany, seit 2023 gehört er dem DGV-Präsidium an. Auch im Umweltausschuss des Bayerischen Golfverbandes engagiert sich der Diplom-Kaufmann.

Seine Erfahrungen aus Clubmanagement und Verbandsarbeit sowie sein Netzwerk in der deutschen Golfbranche sieht May als wichtige Grundlage für die mögliche neue Aufgabe.

Entscheidung im April 2027

Gewählt wird der neue DGV-Präsident beim Verbandstag am 24. April 2027. Neben Claus M. Kobold wird auch dessen Stellvertreter Achim Battermann nicht erneut kandidieren. Als möglicher Nachfolger für Battermann hat Michael Marbler, Präsident des Baden-Württembergischen Golfverbandes, seine Kandidatur angekündigt.

Für den bayerischen Golfsport ist die Bewerbung Mays eine besondere Personalie. Mit ihm könnte erstmals seit vielen Jahren wieder ein Vertreter aus Bayern an der Spitze des Deutschen Golf Verbandes stehen.

Ob es dazu kommt, entscheiden die stimmberechtigten Mitglieder im kommenden Frühjahr.

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