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Text: Tobias Hennecke Bilder: Philippe Millereau / LET

De Bochdanovits greift nach der LET-Karte

Zwei Turniere, ein Sieg und ein dritter Platz innerhalb von sechs Tagen: Theresa de Bochdanovits erlebt auf der LET Access Series die bislang erfolgreichste Phase ihrer Profikarriere. Die Würzburgerin steht drei Turniere vor Saisonende auf Rang sieben der Jahreswertung – und damit auf einem der begehrten Aufstiegsplätze für die Ladies European Tour.

Manchmal braucht es nur eine Woche, um einer ganzen Saison eine neue Richtung zu geben. Für Theresa de Bochdanovits waren es genau sechs Tage.

Am 10. Oktober feierte die 26-Jährige vom Golf Club Würzburg bei der Terre Blanche Ladies Open in Frankreich ihren ersten Turniersieg als Professional. Am vergangenen Freitag legte sie bei der Iberdrola Calatayud Ladies Open in Spanien nach: geteilter dritter Platz, erneut neun Schläge unter Par und die nächste Top-Platzierung auf der LET Access Series.

Plötzlich geht es für die ehemalige bayerische Kaderspielerin nicht mehr nur darum, sich auf der internationalen Tour zu etablieren. Drei Turniere vor Saisonende hat sie die Chance, sich direkt für die Ladies European Tour 2027 zu qualifizieren.

Ein Birdie, eine 66 und ein dramatisches Finale

Der erste Höhepunkt dieser außergewöhnlichen Woche spielte sich im französischen Terre Blanche ab.

Mit Runden von 71 und 70 Schlägen hatte sich de Bochdanovits in eine gute Ausgangsposition gebracht. Am Finaltag folgte ihre bis dahin wichtigste Runde auf der LET Access Series: eine 66, sechs Schläge unter Par. Mit einem Birdie auf der 18 setzte sie die Bestmarke im Clubhaus auf insgesamt neun unter Par. Doch zunächst deutete wenig auf ihren ersten Profisieg hin. Die Schottin Lorna McClymont lag vor ihrer letzten Bahn noch mit zwei Schlägen in Führung.

Dann nahm das Finale eine unerwartete Wendung. McClymont geriet auf dem abschließenden Par 5 in Schwierigkeiten, benötigte neun Schläge und fiel zurück. De Bochdanovits, die das Geschehen am Grün verfolgte, war plötzlich Siegerin.

Mit 207 Schlägen setzte sie sich einen Schlag vor der Australierin Belinda Ji durch. Für ihren Premierensieg erhielt sie 7.200 Euro Preisgeld. Im offiziellen Siegerinterview zeigte die Würzburgerin nicht nur Freude, sondern auch Mitgefühl für ihre Konkurrentin. Sie selbst habe schon erlebt, wie es sei, auf der letzten Bahn einen großen Vorsprung zu verspielen.

Eine Geschichte, die in Olching begann

Tatsächlich führt die Geschichte zurück ins Jahr 2022. Bei der Bayerischen Meisterschaft in Olching lag Theresa de Bochdanovits auf der letzten Bahn mit drei Schlägen in Führung. Zwei Bälle landeten im Wasser, aus dem Vorsprung wurde ein Gleichstand. Im anschließenden Stechen gegen Eva-Lucia Lindner musste sie sich am zweiten Extraloch geschlagen geben.

Es war ein bitteres Finale, über das auch der Bayerische Golfverband damals ausführlich berichtete. Vier Jahre später erlebte de Bochdanovits in Frankreich die andere Seite eines solchen Moments. Dass sie im Siegerinterview ausgerechnet an Olching zurückdachte, zeigt, wie sehr diese Erfahrung in Erinnerung geblieben ist.

Dazwischen lagen wichtige sportliche Schritte. 2024 gewann sie die Offene Bayerische Meisterschaft im Münchener Golf Club, 2025 verteidigte sie diesen Titel mit Runden von 70, 74 und 70 Schlägen. Nun ist ihr auch der erste Sieg auf internationaler Profi-Ebene gelungen.

In Spanien sofort wieder vorne dabei

Dass der Triumph in Frankreich kein einmaliger Ausreißer war, zeigte sich bereits wenige Tage später. Bei der Iberdrola Calatayud Ladies Open im Gambito Golf Calatayud startete de Bochdanovits mit einer 67 und lag nach dem ersten Tag auf dem geteilten zweiten Platz. Nach einer 72 am Donnerstag folgte am Freitag eine bogeyfreie 68.

Wieder standen nach drei Runden 207 Schläge und neun unter Par auf ihrer Scorekarte. Diesmal bedeutete das den geteilten dritten Platz. Der Sieg ging an die Schwedin Elsa Svensson, die mit 14 unter Par ihr zweites LETAS-Turnier der Saison gewann. Johanna Sjursen wurde mit elf unter Par Zweite.

Für de Bochdanovits war der nächste Podestplatz dennoch enorm wertvoll. Sie bestätigte ihre starke Form und sammelte weitere wichtige Punkte für die Jahreswertung.

Drei Turniere bis zum großen Ziel

Mit den beiden Spitzenresultaten hat sich die Ausgangslage für Theresa de Bochdanovits entscheidend verändert. Nach ihrem Sieg in Frankreich rückte sie erstmals in die Top sieben der LETAS Order of Merit vor. Der dritte Platz in Spanien festigte ihre Position. Aktuell belegt sie Rang sieben.

Diese Platzierung ist von besonderer Bedeutung: Die sieben besten Spielerinnen der LET Access Series erhalten am Saisonende eine Spielberechtigung für die Ladies European Tour 2027.

Für die Würzburgerin, die 2026 ihre erste Saison auf der LET Access Series bestreitet, wäre das der nächste große Karriereschritt. Noch ist allerdings nichts entschieden. Drei Turniere stehen aus, entsprechend viele Ranglistenpunkte werden noch vergeben.

Bereits vom 20. bis 22. Oktober geht es bei der Super Bock Ladies Open in Portugal weiter. Im November folgen zwei weitere Turniere in Spanien, ehe bei der Islantilla Open die Entscheidung über die Aufstiegsplätze fällt. Für de Bochdanovits beginnt damit die vielleicht wichtigste Phase ihrer bisherigen Golfkarriere. Was vor wenigen Monaten noch ein weit entferntes Ziel war, ist nach zwei herausragenden Turnierwochen plötzlich greifbar geworden.

Und wir werden weiter gespannt verfolgen, wohin der Weg der Würzburgerin noch führt.

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