Sommer, Sonne, Nervenkitzel? Wenn das Gewitter den Abschlag bedroht

Die Sommermonaten locken mit langen Tagen und sattem Grün auf den Golfplatz. Doch die heiße Jahreszeit hat auch eine Schattenseite: Gewitter. In Deutschland werden jährlich rund zwei Millionen Blitze registriert – und der Juni ist statistisch gesehen der blitzreichste Monat des Jahres. Auf dem weitläufigen, oft flachen Gelände eines Golfplatzes ist der Aufenthalt bei Gewitter lebensgefährlich. Damit Spieler und Clubs sicher durch die Saison kommen, haben wir die wichtigsten Verhaltensregeln, Pflichten und regeltechnischen Details kompakt zusammengefasst.

1. Sicherheit geht vor: Wie verhalte ich mich richtig?

Die goldene Regel lautet: Sicherheit hat absolute Priorität! Unterschätzen Sie niemals die Geschwindigkeit, mit der eine Gewitterfront aufzieht.

Die 30-30-Regel zur Orientierung

  • Abstand schätzen: Teilen Sie die Sekunden zwischen Blitz und Donner durch drei, um die ungefähre Entfernung des Gewitters in Kilometern zu berechnen.
  • 30 Sekunden: Vergehen zwischen Blitz und Donner 30 Sekunden oder weniger, besteht unmittelbare Lebensgefahr. Suchen Sie sofort Schutz im Clubhaus oder in einer nachweislich blitzgeschützten Hütte.
  • 30 Minuten: Erst 30 Minuten nach dem letzten hörbaren Donner kann Entwarnung gegeben werden.

Was tun, wenn das Gewitter überrascht?

  • Ausrüstung zurücklassen: Lassen Sie Golfbags, Trolleys und Schläger sofort auf dem Platz zurück.
  • Keine Gruppenbildung: Gehen Sie einzeln und berühren Sie andere Personen nicht.
  • Gefahrenzonen meiden: Halten Sie mindestens 10 Meter Abstand zu Bäumen. Meiden Sie Hügelkuppen, erhöhte Lagen sowie Metallzäune oder Masten.
  • Die Not-Haltung: Ist kein geschütztes Gebäude erreichbar, gehen Sie in einer Mulde mit geschlossenen Füßen in die Hocke.

Wichtig im Ernstfall: Sollte eine Person vom Blitz getroffen werden, rufen Sie sofort den Notarzt. Leisten Sie umgehend Erste Hilfe (ggf. Reanimation). Entgegen einem hartnäckigen Mythos ist es völlig gefahrlos, einen vom Blitz getroffenen Menschen zu berühren – er benötigt dringend Ihre Hilfe!

2. Eigenverantwortung & Spielleitung: Wer entscheidet was?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Spieler auf das Signal der Spielleitung warten müssen. Das Regelwerk sieht das ganz anders vor.

Selbstständige Spielunterbrechung (Regel 5.7a)

Nach den offiziellen Golfregeln darf jeder Spieler seine Runde eigenständig unterbrechen, sobald er eine Blitzgefahr als gegeben ansieht. Die subjektive Einschätzung des Spielers ist hierbei maßgeblich. In einem Turnier muss diese Unterbrechung der Spielleitung lediglich schnellstmöglich mitgeteilt werden.

Achtung bei Kindern: Kinder können Gefahren oft noch nicht sachgerecht einschätzen. Erklären Sie ihnen die „Gewitterregel“ kindgerecht, damit sie im Ernstfall rechtzeitig und eigenverantwortlich handeln können.

Signaltöne bei Turnierunterbrechungen

Wird ein Turnier durch die Spielleitung unterbrochen, kommen in der Regel folgende Signale (nach Musterplatzregel J-1) zum Einsatz:

Signalton

Bedeutung

Verhalten der Spieler

 

Ein langer Signalton

Sofortige Unterbrechung wegen Gefahr

Das Spiel muss unverzüglich gestoppt werden. Nur ein bereits begonnener Schwung darf beendet werden. Kein "Zu-Ende-Spielen" des Lochs!

Drei aufeinanderfolgende Töne

Normale Unterbrechung

Spiel geordnet unterbrechen.

Zwei kurze Töne (wiederholt)

Wiederaufnahme des Spiels

Zurückkehren zur ursprünglichen Position und das Spiel fortsetzen.

3. Die Tücken des Regelwerks bei Gewitter

Wenn Blitze zucken, geraten manchmal auch die Golfregeln durcheinander. Hier sind die wichtigsten rechtlichen und regeltechnischen Leitplanken:

  • Weigerung der Wiederaufnahme: Erklärt die Spielleitung das Gewitter für beendet, müssen die Spieler die Runde wieder aufnehmen. Weigert sich ein Spieler beharrlich, weil er immer noch Gefahr wittert (die Spielleitung dies aber begründet anders sieht), droht die Disqualifikation nach Regel 5.7c.
  • Ignorieren der Sirene: Wer trotz des Signals zur sofortigen Unterbrechung weiterspielt (z. B. um schnell noch einen Putt zu spielen), wird disqualifiziert (Regel 5.7b). Ausnahmen gibt es nur, wenn man das Signal nachweislich nicht hören konnte oder mitten im Schwung war.

4. Infos für Club-Verantwortliche: Hütten und Wertungen

Auch das Management und der Vorstand stehen bei Sommergewittern in der Pflicht.

Das Dilemma mit den Schutzhütten

Es gibt keine generelle gesetzliche Pflicht, Blitzschutzhütten zu installieren. Allerdings gilt die Verkehrssicherungspflicht. Der Betreiber muss Nutzer vor Gefahren schützen, die über das übliche Risiko hinausgehen oder nicht erkennbar sind.

  • Prüfung: Lassen Sie Ihre Hütten von einer Blitzschutzfachkraft überprüfen.
  • Kennzeichnung: Ist kein ausreichender Blitzschutz nachgewiesen, bringen Sie in den Hütten unbedingt ein gut sichtbares Warnschild an: „Wetterschutzhütte – Blitzschutz ist nicht nachgewiesen. Lebensgefahr bei Blitzeinschlag!“

Handicap-Relevanz bei Abbruch

Muss ein Turnier wegen eines Gewitters vorzeitig abgebrochen werden, entscheidet die Anzahl der gespielten Löcher über die Handicap-Relevanz:

  • 18-Löcher-Runde: Mindestens 10 Löcher müssen von den Spielern beendet worden sein, damit eine handicaprelevante Auswertung erfolgt. Bei weniger Löchern ist keine Wertung möglich.
  • 9-Löcher-Runde: Hier müssen zwingend alle 9 Löcher beendet worden sein.

Was passiert mit der Siegerehrung?

Wird ein Turnier abgebrochen, sollte im Sinne des Fair-Play keine normale Turnierwertung erfolgen. Eine nachträgliche Verkürzung der Runde (z. B. Wertung der ersten 9 Löcher eines 18-Löcher-Turniers) ist laut den offiziellen Regularien unzulässig. Verlosen Sie die Preise stattdessen unter allen anwesenden Teilnehmern im Clubhaus. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn eine komplette Wertungsklasse ihre Runde bereits vor dem Abbruch regulär beendet hatte.



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