Text: Tobias Hennecke Bilder: Philipp Eibl

Obtmeier behält die Nerven, Sapper erfüllt sich ihren Titeltraum

Martin Obtmeier verteidigt seine Führung mit einer starken Schlussrunde, Annabelle Sapper dreht das Damenfinale und belohnt sich nach mehreren Anläufen. Die Offene Bayerische Meisterschaft 2026 im Münchener Golf Club liefert zum Saisonabschluss zwei besondere Siegergeschichten.

Ein Birdie gleich auf der ersten Bahn. Ein Putter, der plötzlich heißläuft. Und zwei Sieger, die bis zum Schluss vor allem eines im Kopf hatten: ihr eigenes Spiel.

Bei der Offenen Bayerischen Meisterschaft vom 9. bis 11. Oktober im Münchener Golf Club sicherten sich Martin Obtmeier und Annabelle Sapper die Titel. Beide spielten am Finaltag eine Runde unter Par, beide behielten in entscheidenden Momenten die Ruhe. Doch der Weg zum Sieg hätte unterschiedlicher kaum sein können.

Während Obtmeier mit einem Schlag Vorsprung in den Sonntag startete und seine Führung verteidigte, musste Sapper einen Schlag aufholen. Am Ende standen 208 Schläge für den Herrensieger und 219 für die neue Bayerische Meisterin.

Obtmeier: Ein heißer Putter und die Ruhe am letzten Loch

70, 69, 69. Drei Runden unter beziehungsweise nahe Par, kein Ausreißer und am Ende drei Schläge Vorsprung. Martin Obtmeier spielte sich mit bemerkenswerter Konstanz zum Titel.

Dabei war seine Ausgangslage vor dem Finale durchaus komfortabel. Linus Lang lag nur einen Schlag zurück, die weiteren Verfolger hatten bereits einen größeren Rückstand. „Da wusste ich einfach: Wenn ich heute wieder eine solide Runde spiele, dann wird es vermutlich recht gut ausgehen“, blickte Obtmeier zurück. „Die anderen waren ja dann doch schon fünf Schläge hinter mir. Die müssen schon sehr tief gehen oder ich eben ein bisschen schwächeln.“

Dass er sich am Sonntag auf sein Spiel konzentrieren konnte, hatte auch mit dem Vortag zu tun. Der Dauerregen am Samstag hatte den Spielern einiges abverlangt. Besonders seinem Caddie schrieb Obtmeier dabei eine wichtige Rolle zu: Gemeinsam sei es ihnen gelungen, trotz der schwierigen Bedingungen den Spaß am Spiel nicht zu verlieren.

Am Finaltag passte dann vor allem auf den ersten neun Löchern vieles zusammen. Die Annäherungsschläge waren weiterhin solide, doch diesmal kam ein entscheidender Faktor hinzu: das Putten. „Auf den Front Nine habe ich ziemlich gut geputtet. Das hat wirklich sehr geholfen, dass wir nach acht Löchern schon drei unter Par lagen“, erzählte Obtmeier. „Da lief der Putter endlich mal ein bisschen heißer als die ersten zwei Tage.“

Während der Führende seine Runde kontrolliert zu Ende spielte, machte Nicolas Horder noch einmal Boden gut. Doch von dessen Aufholjagd bekam Obtmeier zunächst kaum etwas mit. Erst ein Jubel nach einem Hole-out auf der 17 ließ ihn aufhorchen.

„Ich habe Nico eigentlich die ganze Runde nicht mitbekommen“, sagte Obtmeier. „Erst an der Teebox 18 habe ich das Livescoring gesehen.“ Da wusste er: Selbst ein weiteres Birdie seines Verfolgers würde ihm den Titel nicht mehr nehmen, solange er die Schlussbahn mit Par beendete. Also blieb der Plan unverändert: Grün treffen, zwei Putts, sicher ins Clubhaus.

Mit einer abschließenden 69 und insgesamt 208 Schlägen setzte sich Obtmeier schließlich vor Nicolas Horder (211) und Linus Lang (212) durch.

Für den Sieger war es zugleich ein besonderer Saisonabschluss. „Es ist natürlich schön, mal wieder Bayerischer Meister zu sein“, sagte er. Gerade das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern und der direkte Vergleich unter den Professionals machten die Meisterschaft für ihn besonders.

Auch das Preisgeld wertete er ausdrücklich als sportlichen Anreiz. Es sorge dafür, dass sich die Pros zum Saisonende noch einmal mit entsprechendem Ehrgeiz messen.

Sapper: Ein Birdie zum Auftakt und endlich der ersehnte Titel

Bei den Damen war vor der Finalrunde alles offen. Lilly Dullinger und Lucia Fohrmann lagen nach 36 Löchern mit jeweils 148 Schlägen an der Spitze. Annabelle Sapper folgte mit nur einem Schlag Rückstand.

Doch lange musste die Spielerin des Münchener GC nicht auf ihre Chance warten. Gleich auf Loch 1 gelang ihr ein Birdie, mit dem sie den Rückstand wettmachte. „Natürlich war es gut, direkt am ersten Loch den Rückstand aufzuholen“, sagte Sapper. „Aber da waren ja noch 17 Löcher zu gehen.“

Was folgte, war kein spektakuläres Birdie-Feuerwerk, sondern eine kontrollierte Runde mit wenigen Fehlern. Genau darin lag für Sapper der Schlüssel. „Ich habe sehr ‚langweiliges‘ Golf gespielt mit wenigen Fehlern. Die Bälle waren zwar nicht super nah an der Fahne, aber ich habe mich auch in keine schwierigen Lagen gespielt.“

Den Zwischenstand versuchte sie bewusst auszublenden. „Ich wusste, dass, wenn ich mein Spiel spiele, ich immer eine Chance auf den Titel habe. Ein Schlag ist nix und es kann bis zum Ende viel passieren.“ Statt sich mit der Konkurrenz zu beschäftigen, wollte sie vor allem Spaß haben.

Der Plan ging auf. Mit einer 70 am Sonntag und insgesamt 219 Schlägen sicherte sich Sapper den Titel vor Lilly Dullinger (220) und Lucia Fohrmann (226). Wie viel ihr dieser Sieg bedeutete, zeigte sich erst nach der Runde.

„Es bedeutet mir einiges, endlich die Offene BM gewonnen zu haben. Zu oft bin ich in den letzten Jahren gescheitert“, erklärte Sapper. Zum ersten Mal seit sechs Jahren habe sie die Meisterschaft zudem gesund und ohne Erkältung bestreiten können. Auch für ihre Konkurrentin fand sie anerkennende Worte: „Lilly hätte ich den Titel auch sehr gegönnt. Sie spielt ein so gutes Golf und konnte sich in den letzten Jahren nicht mit einem Einzeltitel belohnen.“

Für Sapper war der Erfolg zugleich der perfekte Schlusspunkt unter eine erfolgreiche Saison mit zwei Einzel- und zwei Mannschaftstiteln. Nun kann sie mit einem guten Gefühl in die Off-Season gehen, bevor in einigen Wochen das Wintertraining beginnt.

Schweyer sichert sich die Amateurwertung

Auch hinter dem Podium der Herren gab es eine bemerkenswerte Leistung. Philipp Schweyer beendete die Meisterschaft mit 213 Schlägen und sicherte sich damit die Auszeichnung als bester Amateur.

In der Gesamtwertung belegte er den vierten Platz, nur einen Schlag hinter Linus Lang auf Rang drei.

Drei Tage, drei Wetterlagen und ein besonderer Saisonabschluss

Die Offene Bayerische Meisterschaft verlangte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über 54 Löcher einiges ab. Auf einen sonnigen Freitag folgte ein regnerischer Samstag, der nicht nur das Spiel, sondern auch die Konzentration und Geduld auf die Probe stellte. Am Sonntag verbesserten sich die Bedingungen wieder. Der Platz des Münchener Golf Clubs präsentierte sich während der gesamten Meisterschaft in hervorragendem Zustand.

Mit BMW als Premiumpartner bot die Offene Bayerische Meisterschaft auch in diesem Jahr einen attraktiven Rahmen für den sportlichen Saisonabschluss. Für die Professionals ging es dabei nicht nur um den Titel, sondern auch um ein beachtliches Preisgeld: 3.300 Euro für Platz eins, 2.200 Euro für Platz zwei, 1.100 Euro für Platz drei und 700 Euro für Platz vier. Insgesamt waren damit 7.300 Euro für die vier bestplatzierten Professionals ausgeschrieben.

Für Sieger Martin Obtmeier ist das ein wichtiger Bestandteil des Turniers. Gerade das Preisgeld sorge dafür, dass sich die Professionals zum Ende der Saison noch einmal mit entsprechendem Ehrgeiz miteinander messen.

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