Nur wenige Stunden vor dem ersten Abschlag verändert eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Wiesbaden das Teilnehmerfeld des Final Four am GC München-Riedhof. Der Frankfurter GC rückt bei den Herren nach, der GC St. Leon-Rot ist nicht mehr dabei. Für den GC Am Habsberg ändert sich dadurch auch der Halbfinalgegner.
Das Final Four 2026 beginnt mit einer Wendung, die sportlich kaum größer sein könnte: Am frühen Morgen des 31. Juli hat das Landgericht Wiesbaden den GC St. Leon-Rot für den dritten und vierten Spieltag der 1. Bundesliga Süd der Herren disqualifiziert. Der Deutsche Golf Verband teilte daraufhin mit, die gerichtliche Entscheidung zu beachten und die Abschlusstabelle entsprechend zu korrigieren.
St. Leon-Rot erhält an beiden Spieltagen jeweils null Punkte und fällt mit insgesamt 14 Zählern auf den dritten Tabellenplatz zurück. Der Frankfurter GC rückt mit 18 Punkten auf Rang zwei vor und nimmt damit am Final Four am 1. und 2. August im GC München-Riedhof teil.
Die Entscheidung verändert nicht nur das Teilnehmerfeld, sondern auch die Paarungen für die Halbfinals. Der bayerische Aufsteiger GC Am Habsberg übernimmt den ersten Platz der Bundesliga Süd und trifft am Samstag auf den G&LC Berlin-Wannsee. Im zweiten Halbfinale spielt der Nord-Erste GC Hubbelrath gegen den kurzfristig nachgerückten Frankfurter GC.
Damit lauten die Halbfinals der Herren:
GC Hubbelrath gegen Frankfurter GC
GC Am Habsberg gegen G&LC Berlin-Wannsee
Es wird einiges geböten sein und der Eintritt ist frei!
Ausgangspunkt des Verfahrens war der Einsatz von Carl Siemens für den GC St. Leon-Rot. Siemens war zu Beginn des Jahres noch Professional und spielte im Februar auf der Pro Golf Tour. Ende Mai wurde er wieder in den Amateurstatus aufgenommen und anschließend für St. Leon-Rot in der Deutschen Golf Liga eingesetzt.
Am vierten Spieltag setzte St. Leon-Rot mit Jan Schneider zusätzlich den laut Ligastatut zulässigen Professional ein. Siemens wurde zu diesem Zeitpunkt als Amateur geführt.
Der Frankfurter GC bezweifelte jedoch dessen Teilnahmeberechtigung. Hintergrund ist eine Stichtagsregelung im DGV-Ligastatut: Nach der von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wiedergegebenen Bestimmung muss ein Spieler, der als Amateur eingesetzt werden soll, bereits seit dem 1. Januar des betreffenden Kalenderjahres die Amateureigenschaft besitzen. Auch die Zugehörigkeit zum Heimatclub ist an diesen Stichtag gebunden.
Frankfurt beantragte deshalb zunächst beim DGV, die Spielberechtigung zu überprüfen, St. Leon-Rot für den betreffenden Spieltag zu disqualifizieren und die Tabelle zu korrigieren. Nachdem der Verband diesen Antrag abgelehnt hatte und sich der Kontroll- und Schlichtungsausschuss des DGV für nicht zuständig erklärte, wandte sich der Club an das Landgericht Wiesbaden.
Der DGV-Vorstand hatte am 20. Juli seine Auslegung des Ligastatuts öffentlich erläutert. Dabei unterschied der Verband zwischen zwei getrennten Entscheidungen.
Über die Wiedereinsetzung des Spielers in den Amateurstatus habe ausschließlich der Ausschuss Golfregeln und Amateurstatut entschieden. Der Vorstand habe dagegen nur beurteilt, welche Auswirkungen der Statuswechsel auf das Teilnahmerecht in der Deutschen Golf Liga habe.
Nach Auffassung des DGV zielt die Stichtagsregelung vor allem darauf ab, einen Wechsel des Heimatclubs während einer laufenden Saison zu verhindern. Weil Siemens weiterhin für denselben Club spielte, ließ der unterjährige Wechsel vom Professional zum Amateur nach Ansicht des Vorstands das bereits vorhandene Teilnahmerecht nicht entfallen.
Der DGV kündigte zugleich an, die bislang nicht ausdrücklich geregelte Konstellation eines Statuswechsels während der Saison für die kommenden Spielzeiten klarer im Ligastatut zu verankern.
Mit der einstweiligen Verfügung wird die Abschlusstabelle nun kurzfristig geändert. Eine abschließende Entscheidung über sämtliche rechtlichen Fragen ist damit noch nicht zwingend verbunden. Für das unmittelbar bevorstehende Final Four hat die Verfügung jedoch direkte und unumkehrbare sportliche Auswirkungen.
Während sich die Mannschaften bereits am Riedhof auf das Wochenende vorbereiten, muss St. Leon-Rot seine Finalteilnahme abgeben. Frankfurt erhält den Startplatz und trifft im Halbfinale auf Hubbelrath.
Für den GC Am Habsberg eröffnet sich nach einer starken ersten Bundesligasaison eine neue Ausgangslage: Der Aufsteiger geht als Sieger der Südgruppe in das Final Four und spielt gegen Berlin-Wannsee um den Einzug in das Endspiel um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft.