Bilder: Petra Himmel

Der Bergkramerhof zeigt, wie Greenkeeping der Zukunft funktioniert

Zwei Akteure, ein gemeinsames Ziel: Olaf Gühring und Dagmar Blacha bündeln ihre Kräfte, um die Artenvielfalt auf dem oberbayerischen Golfplatz Bergkramerhof spürbar zu erweitern. Die Familie Gühring besitzt die Anlage im Süden Münchens; Blacha bringt als Expertin des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) fundiertes Naturschutz-Know-how auf Golfplätzen ein. Gemeinsam entwickeln sie ein eindeutiges und zukunftsweisendes Projekt zur Förderung der Biodiversität.

Der Blühpakt Bayern, initiiert vom Bayerischen Golfverband und dem Umweltministerium im Jahr 2020 und im Jahr 2023 verlängert, bildet den formellen Rahmen für ihr Engagement. Was hier oft den Blick auf Spielflächen lenkt — Fairways, Tees, Grüns — das ist für Dagmar Blacha lediglich kurzgemähter, artenarmer Rasen. Doch ein Tag genügte, um Führung und Expertin mit einem gemeinsamen Blick entstehen zu lassen: Auf dem Bergkramerhof werden diese Flächen komplett ohne Pflanzenschutzmittel gepflegt. „Das funktioniert – aber es ist anspruchsvoll und aufwändiger“, stellt Gühring klar.

Die Herausforderungen liegen auf der Hand: Der Klimawandel bringt mehr Feuchtigkeit, höhere Temperaturen und invasive Arten auf den Platz – von Riesen-Bärenklau bis zum Jakobskreuzkraut. Doch Gühring kann auch Positives vorzeigen: Insbesondere die großen, als Biotope geschützten Wiesenflächen kommen mit nur zwei Mahden pro Jahr hervorragend klar – trotz der unablässigen Versuchung der Golfer, den Ball nicht verlieren zu wollen. 

Blachas Fazit zur Wiesenpflege ist eindeutig: „Je kleinteiliger gepflegt, desto besser.“ Wichtig sei, dass nie alles gleichzeitig gemäht wird – immer sollten Rückzugszonen bestehen, besonders im Winter. Optimalerweise verbleiben 20 Prozent ungemähter Fläche – ideal zum Schutz der Insekten. 

Verkauf des Heus an Pferdehof

Ein weiterer Pluspunkt: Das Mahdgut wird verkauft – als begehrtes Pferdeheu. Über 200 Ballen entstehen jährlich – in Zeiten pestizidfreier Pflege ein seltenes, aber wertvolles Nebenprodukt.

Und eines versteht sich von selbst: Auch Wasserflächen werden naturnah gestaltet. Unter anderem fanden sich dort am ersten Teich Iris sibirica, eine Art der Roten Liste – ein kleiner, aber höchst hoffnungsvoller Erfolg.

Dagmar Blacha vom LBV mit Olaf Gühring, Besitzer der Golfanlage Bergkramerhof ©Petra Himmel

Am Ende des Tages unterstreicht Blacha die Schwierigkeit vieler Golfplätze: Finanzielle Einschränkungen. Das traditionelle Bild vom privilegierten, elitären Club hat in diesem Kontext erheblich an Realität verloren. Doch Gührings Vision ist klar: “Nachhaltigkeit” ist mehr als ein Schlagwort – sie ist das Leitbild für den gesamten Golfplatzbetrieb. Kompromisse müssen möglich sein: So bleibt Golfspiel erlebbar, und gleichzeitig leistet der Bergkramerhof einen aktiven Beitrag für die Natur.

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