Auf dem Heimatplatz Deutsche Meisterin werden – Julia Anneser hat sich diesen besonderen Erfolg in der Holledau erkämpft. Gemeinsam mit den Bronzemedaillen von Philippa El Husseini und Luis Brinkmann steht ihr Sieg für ein intensives DM-Wochenende, an dem Bayerns Nachwuchs bis auf die letzten Löcher um Titel und Podestplätze mitspielte.
Ein Putt aus acht Metern. Auf dem letzten Grün. Um die Deutsche Meisterschaft, im eigenen Club. Julia Anneser lochte ihn – und gewann die AK 14 vor Familie, Freunden und Clubmitgliedern. Einen passenderen Ort für diesen Triumph hätte sich die Holledauerin kaum aussuchen können.
Ihr Erfolg war der Höhepunkt eines Wochenendes, das vom 4. bis 6. September an drei Austragungsorten ganz unterschiedliche Geschichten schrieb: In der Holledau gelang die Aufholjagd zum Heimsieg, im Club zur Vahr brachte ein starkes Finish die nächste bayerische Medaille. Und im Westfälischen GC Gütersloh erlebte Vincent Fröhlich, wie anspruchsvoll es ist, eine Führung über die letzten 18 Löcher einer Deutschen Meisterschaft zu bringen.
Annesers Weg zum Titel verlief mit Umwegen. Nach ihrer Auftaktführung musste sie am zweiten Tag Romy Sander vorbeiziehen lassen. Drei Schläge betrug der Rückstand vor dem Finale. Doch die Holledauerin holte auf, hatte nach neun Löchern wieder gleichgezogen und ging schlaggleich mit der Frankfurterin auf die letzte Bahn. Dort entschied ihr Birdieputt die Meisterschaft.
Mit 225 Schlägen (+9) gewann Anneser einen Schlag vor Sander vom Frankfurter GC. Philippa El Husseini vom GC Augsburg machte mit Bronze (230/+14) das doppelte bayerische Podium perfekt.
Die Augsburgerin legte die Grundlage mit drei nahezu identischen Runden: 77, 76 und 77 Schläge. Während sich an der Spitze das Duell um Gold zuspitzte, belohnte sie sich für ihre Konstanz mit einer DM-Medaille. Auch die Schwestern Elena und Christina Archontoglou vom GC am Reichswald standen gemeinsam im Finale. Elena steigerte sich an jedem Turniertag und erreichte als geteilte Neunte die Top Ten. Christina spielte ihre beste Runde ebenfalls zum Abschluss und teilte sich Platz 18 mit Lea-Celine Lagneau vom GC München Eichenried. Matilda Schwarz vom GC Würzburg komplettierte auf dem geteilten 23. Rang das bayerische Aufgebot in der Finalrunde.
Auch Luis Brinkmann brauchte den letzten Putt, bis Bronze feststand. Der Spieler des Münchener GC setzte im Finale der Jungen AK 16 im Club zur Vahr auf den zweiten neun Löchern vier Birdies auf seine Karte. Mit insgesamt fünf unter Par sicherte er sich Platz drei hinter Leonard Bartsch vom Frankfurter GC (−11) und Bjarne Murr vom GC St. Leon-Rot (−9).
Nach Regen und Wind an den ersten beiden Tagen bot das Finale deutlich bessere Bedingungen. Brinkmann nutzte sie für seine beste Turnierrunde.
Mit diesem starken Abschluss war er in seinem Club in guter Gesellschaft: Timo Issler ließ zwei 75er-Runden eine 70 folgen und wurde Fünfter. Frederik Ritter spielte zum Abschluss eine 71 und erreichte den geteilten achten Platz. Zusammen mit Moritz Dietz vom Golf Resort Bad Griesbach auf Rang sieben standen damit vier bayerische Spieler unter den besten Zehn der AK 16.
Bei den jüngeren Jungen fehlten Felix Dietz aus Bad Griesbach nur zwei Schläge zu Bronze. Er beendete die AK 14 auf Platz vier. Wie viel an einem Finaltag noch möglich war, zeigte hier der spätere Dritte Julius Gellermann vom Hamburger GC: Mit einer bogeyfreien 70 sicherte er sich die Medaille. Um Gold kämpften Simon Süntzenich vom Stuttgarter GC Solitude und Flynn Stumper vom GC Steisslingen noch weit länger. Erst am siebten Extraloch setzte sich Süntzenich durch.
Luis Maier vom Münchener GC verabschiedete sich mit einer Unter-Par-Runde aus dem Turnier und wurde geteilter Sechster. Auch Thomas Wagner vom GC Auf der Gsteig steigerte sich über alle drei Tage und schaffte als Zehnter den Sprung unter die besten Zehn.
In der Holledau zeigte Anna Ghiassian, wie sich eine Meisterschaft nach einem schwierigen Start noch entwickeln kann. Nach einer 79 zum Auftakt benötigte die Spielerin des GC Wörthsee am Samstag acht Schläge weniger. Mit einer abschließenden Parrunde bestätigte sie ihre Steigerung und wurde geteilte Siebte der AK 16. Cosima Feßmann vom GC am Reichswald sorgte als geteilte Neunte für das zweite bayerische Top-Ten-Ergebnis. Lucia Fohrmann vom GC Starnberg folgte auf Platz zwölf.
An der Spitze dominierte St. Leon-Rot: Emma Lucy Schulz-Hanßen gewann vor Cecilie Volckens und Helena Baraka. Für Baraka wurde die Schlussrunde zum besonderen Erlebnis: Ihre 65 brachte ihr Bronze und einen neuen Damen-Platzrekord.
In Gütersloh ging Vincent Fröhlich als Führender in die Entscheidung der AK 18. Der Spieler des Münchener GC hatte mit 71 und 69 Schlägen zwei starke Runden vorgelegt. Am Sonntag konnte er daran nicht anknüpfen: Mit einer 76 fiel er auf den geteilten fünften Platz zurück.
Den Titel holte Colin Bärmann vom GC Hubbelrath auf eindrucksvolle Weise. Auf dem letzten Grün versenkte er seinen Putt zum Eagle und gewann mit acht unter Par vor Tim Maximilian Brohl vom GC Rhein-Sieg (−6) und David Süntzenich vom GC Hubbelrath (−4).
Fröhlich blieb mit Even Par bester Bayer. Ben Rehn vom GC Augsburg zeigte vor allem mit seiner 69 am zweiten Tag sein Potenzial und beendete das Turnier auf Rang 20, unmittelbar vor Raphael Luca Kolbe vom GC am Reichswald.
Bei den Mädchen führte der Weg zum Titel über die Schwestern Bae. Yoo Na gewann mit einem Schlag unter Par vor Yoo Jin (+1), beide vom GC St. Leon-Rot. Sara Nüßle vom GC Domäne Niederreutin holte Bronze (+2). Die besten Bayerinnen, Hannah Schlagböhmer vom Münchener GC und Carolin Moll vom GC München-Riedhof, kamen mit unterschiedlichen Rundenverläufen zum selben Ergebnis: Schlagböhmer fand nach einer 79 mit 74 und 75 Schlägen besser ins Turnier, Moll hatte mit einer 71 stark begonnen. Am Ende teilten sie Rang 15. Anna Weicker vom GC Augsburg lag als geteilte 17. nur einen Schlag dahinter.
62 Spielerinnen und Spieler bayerischer Clubs waren bei diesen Deutschen Jugendmeisterschaften vertreten. Drei Medaillen und 13 Top-Ten-Platzierungen nahmen sie mit. Für Julia Anneser bleibt dazu die Erinnerung an einen Putt, der auf ihrem Heimatplatz alles entschied.