Anlässlich seines 90. Geburtstags blickt Dr. Wolfgang Scheuer, Ehrenpräsident des DGV und prägende Figur des deutschen Golfsports, gemeinsam mit BGV-Präsident Malte Uhlig auf ein Leben für den Golf zurück. Das gesamte Interview lesen Sie in unserem green Magazin
Seine Golfkarriere begann Dr. Wolfgang Scheuer vor einem halben Jahrhundert im Münchener Golf Club Thalkirchen. Auf dem täglichen Weg ins Büro kam er an der Anlage vorbei und entschied sich, Mitglied zu werden. Dank seiner juristischen Expertise unterstützte er schon früh den Club bei steuerlichen Fragen und entwickelte bald eine besondere Leidenschaft für die Golfregeln.
"Als Anfänger hatte ich natürlich keine Ahnung von den Golfregeln. Also habe ich angefangen, die Regelanwendungen aufzuschreiben und für andere zu erklären. Bald nannten sie mich den Regelpapst."
Sein Engagement im MGC blieb nicht unbemerkt. Zunächst wurde er in den Vorstand des Bayerischen Golfverbands berufen, später folgte der Wechsel in den Deutschen Golf Verband. Dort trat er 1994 die Nachfolge von Jan Brügelmann als Präsident an und prägte über 16 Jahre die Entwicklung des Golfsports in Deutschland.
Ein zentraler Schwerpunkt: die Finanzierung und Gemeinnützigkeit von Golfanlagen. Hier brachte Dr. Scheuer sein Fachwissen als Anwalt ein und trug entscheidend dazu bei, dass Golfvereine rechtlich stabil aufgestellt wurden.
Dr. Scheuer war stets ein Mann des Ehrenamts. Seine Zeit im Verband verstand er nie als Belastung, sondern als selbstverständliches Engagement:
"Es war für mich nie unangenehm, meine Freizeit einzubringen. Das gehört dazu, wenn man Verantwortung übernimmt."
Ob als Regelpapst im MGC oder als DGV-Präsident: Sein Anliegen war immer, den Sport verständlich, fair und zukunftsfähig zu gestalten.
Seit 1987 ist Dr. Scheuer Mitglied im Real Club Valderrama, wo er als früher "Governor" auch Verantwortung übernahm. Ebenso war er viele Jahre Mitglied im R&A in St. Andrews und arbeitete in internationalen Kommissionen zu Golfregeln und Amateurstatus mit.
Besonders beeindruckt hat ihn ein Landsmann: Bernhard Langer.
"Bernhard war der erste Deutsche, der international für Furore sorgte. Er ist bis heute ein einzigartiger Botschafter des deutschen Golfsports."
Unter seiner Präsidentschaft entwickelte der DGV entscheidende Programme, darunter Golf&Natur sowie die Initiative Abschlag Schule, die 2007 zur Integration von Golf in das Programm Jugend trainiert für Olympia führte. Damit wurde Golf in Deutschland auch für Kinder und Jugendliche breiter zugänglich.
Ein Thema, das ihn bis heute bewegt, ist das Verhältnis von Golf und Geld.
"Ich wurde in Schottland geprägt: Golf sollte so wenig wie möglich mit Geld zu tun haben. Deshalb sehe ich die Entwicklung hin zu Millionenpreisgeldern kritisch."
Trotz seiner Verdienste bleibt Dr. Scheuer vor allem eines: leidenschaftlicher Golfer. Noch immer arbeitet er mit seinem Pro an seinem Schwung – nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Liebe zum Spiel.
"Wenn man es schafft, Golf so auszuüben, dass der Körper es auch im Alter zulässt, gibt es nichts Besseres."
Sein Rat an junge Menschen:
"Wer Golf wirklich ernst nimmt, erfährt Zufriedenheit und Freude – und bleibt dabei meist von Verletzungen verschont. Also: Fangt an!"
Dr. Wolfgang Scheuer feiert in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag. Was er sich wünscht? Gesundheit – und noch viele Runden auf dem Platz.
"Unabhängig von meiner Person – der Sport ist das Wichtigste."
Dr. Wolfgang Scheuer hat den deutschen Golfsport wie kaum ein anderer geprägt. Sein Wirken als Funktionär, Regelkenner und Botschafter des Spiels macht ihn zu einem Vorbild für Generationen von Golferinnen und Golfern.