Bilder: Philipp Eibl & Tobias Hennecke

68 Schläge. Und ein Turnier, das anders funktioniert.

68.

Diese Zahl reicht zunächst aus. Mehmet Kazan vom GC Kemer (TUR) benötigte am Samstag 68 Schläge für seine erste Runde. Hierbei notierte er unter anderem sechs Birdies und ein Eagle. Am Sonntag folgte eine 70. Mit insgesamt 138 Schlägen gewann er die Herrenwertung der Internationalen Bayerischen Meisterschaft der Golferinnen und Golfer mit Behinderung deutlich vor Jonas Rother vom GC Hof Hausen, der zweimal 72 spielte. Filip Rataj wurde mit 152 Schlägen Dritter.

Wer nur auf die Scorekarte schaut, sieht zunächst genau das: Ergebnisse. Erst daneben beginnt die Besonderheit dieses Turniers.

Mehmet Kazan locht den Putt zum Eagle auf dem Par 4

Ein Wettbewerb, viele unterschiedliche Spielweisen

Die Internationale Bayerische Meisterschaft bringt Spielerinnen und Spieler zusammen, deren körperliche Voraussetzungen zum Teil sehr unterschiedlich sind.

Teilnahmeberechtigt waren Golferinnen und Golfer mit Handicap Index bis 45,0 und entsprechendem Behindertenausweis, Access Pass oder WR4GD Pass. Gespielt wurde über 36 Löcher. Bis Handicap Index 18,4 zählte jeder Schlag im Zählspiel, darüber wurde nach Stableford gewertet. Hinzu kam eine eigene Wertung für Rollstuhlgolfer. Das Turnier gehört zur EDGA Access Serie. Damit sieht Golf auf diesem Wochenende nicht bei jedem gleich aus.

Manche Spieler benötigen ein Cart. Andere Hilfe dabei, den Ball aufzuteen. Wieder andere spielen ihre Runde weitgehend ohne Unterstützung. Auf der Scorekarte landen am Ende trotzdem dieselben Dinge wie bei jedem anderen Turnier: Birdies, Bogeys, Stableford-Punkte und Gesamtergebnisse.

Und genau diese Normalität fällt in Elkofen immer wieder auf.

Zwei Schläge zwischen Platz eins und zwei

Bei den Frauen entwickelte sich über die beiden Tage der engere Kampf um den Titel.

Jennifer Sräga vom GC Reischenhof eröffnete mit 77 Schlägen und brachte am Sonntag eine 78 ins Clubhaus. Ihre 155 Schläge reichten zum Sieg. Marcella Neggers vom Eindhovensche Golf verbesserte sich nach einer 80 am ersten Tag auf eine 77 und kam bis auf zwei Schläge heran. Katharina Pegau vom GC München Valley belegte mit 162 Schlägen Rang drei.

Bei den Herren war die Ausgangslage früher klar. Kazans 68 am Samstag verschaffte ihm den Vorsprung, den er mit der 70 am Finaltag verteidigte. Es sind Ergebnisse, die auch ohne jede weitere Einordnung funktionieren.

Jennifer Sräga am Abschlag

46. Und am nächsten Tag wieder 46.

Noch ungewöhnlicher liest sich eine andere Zeile der Ergebnisliste. Kai Guardo-Buchwald vom GC Starnberg spielte am Samstag 46 Stableford-Punkte.

Am Sonntag wiederholte er exakt dieses Ergebnis. 92 Punkte über zwei Runden bedeuteten einen deutlichen Sieg in der Herrenwertung der Klasse B. Harry Steingraber vom Golfpark Aschheim kam auf 82 Punkte, Vaclav Mraz vom GC Cesky Krumlov auf 81.

Bei den Frauen gewann Hana Psenickova vom GC Hostivar mit 42 und 44 Punkten. Ihre insgesamt 86 Punkte bedeuteten Rang eins vor Gabriele Lorenz mit 70 und Cynthia Hoffmann mit 65.

Auch die Rollstuhlwertung war Teil des regulären Turnierprogramms. Haki Doku gewann die Bruttowertung in beeindruckender Manier mit 25 Punkten vor Jan Šipoš und Frantisek Halmo. Netto kamen Halmo und Doku jeweils auf 70 Punkte.

So entsteht in Elkofen nicht eine Meisterschaft mit einer einzigen sportlichen Erzählung, sondern eine ganze Reihe unterschiedlicher Wettbewerbe innerhalb desselben Turniers.

Die Menschen, die auf keiner Ergebnisliste stehen

Wer die beiden Turniertage nur anhand der Resultate betrachtet, übersieht allerdings einen wesentlichen Teil der Veranstaltung. Denn auf dem Platz waren nicht nur Spielerinnen und Spieler unterwegs.

Zahlreiche Helping Hands begleiteten die Teilnehmer und übernahmen dort praktische Aufgaben, wo Unterstützung notwendig war. Sie teeten Bälle auf, harkten Bunker, halfen bei der Ballsuche oder erledigten andere notwendigen Handgriffe während der Runde.

Das Entscheidende daran ist weniger, dass geholfen wird, sondern wie.

Die sportliche Entscheidung bleibt beim Spieler. Schlägerwahl, Schlag und Ergebnis sowieso. Ein Helping Hand übernimmt genau die Dinge, die aufgrund einer körperlichen Einschränkung nicht oder nur schwer selbst ausgeführt werden können. Damit wird aus Hilfe kein zusätzlicher Bestandteil des Spiels, sondern ein Teil des Ablaufs. Und nach einigen Löchern wirkt das erstaunlich selbstverständlich.

Elkofen war nicht nur Austragungsort

Dass diese Abläufe funktionieren, ist auch Sache des gastgebenden Clubs. Der Golf-Club Schloss Elkofen stellte an diesem Wochenende nicht einfach seinen Platz zur Verfügung. Zahlreiche Mitglieder waren rund um das Turnier im Einsatz und unterstützten Organisation und Teilnehmer und feuerten die Teilnehmer an.

Gerade bei einer Meisterschaft mit einem so unterschiedlichen Teilnehmerfeld entstehen Anforderungen, die bei anderen Turnieren kaum auffallen: Wer benötigt Unterstützung auf der Runde? Wo müssen Fahrzeuge verfügbar sein? Welche Wege funktionieren? Wo wird zusätzliche Hilfe gebraucht?

Vieles davon findet außerhalb der eigentlichen sportlichen Aufmerksamkeit statt. Vielleicht ist das sogar ein gutes Zeichen. Denn je besser diese Organisation funktioniert, desto weniger fällt sie während des Spiels auf.

Wenn das Cart nicht die bequemere Variante ist

Das gilt auch für die Golfcarts. Cart Care, Presenting Partner der Meisterschaft, stellte die benötigten Fahrzeuge für das Turnier zur Verfügung.

Bei einem gewöhnlichen Turnier lässt sich darüber diskutieren, ob ein Cart Komfort oder Bequemlichkeit bedeutet. Hier stellt sich diese Frage für einen Teil des Feldes nicht. Wer aufgrund seiner körperlichen Voraussetzungen keine 18 Löcher zu Fuß zurücklegen kann, benötigt das Fahrzeug, um überhaupt an der Runde teilzunehmen. Bei 36 Löchern über zwei Tage wird die Verfügbarkeit der Carts damit zu einem organisatorischen Grundbestandteil des Turniers.

Vielen Dank an unseren Partner für diese Unterstützung!

Was von diesem Wochenende bleibt

Mehmet Kazan fährt mit einer 68 und 70 nach Hause. Jennifer Sräga gewinnt mit zwei Schlägen Vorsprung. Kai Guardo-Buchwald bringt zweimal 46 Stableford-Punkte ins Clubhaus. Das sind die sportlichen Fakten.

Der interessantere Blick auf dieses Wochenende entsteht daneben.

In Elkofen ließ sich beobachten, wie ein Golfturnier aussieht, wenn nicht von allen Teilnehmern erwartet wird, dass sie den Sport auf exakt dieselbe Weise ausüben. Die Regeln des Spiels bleiben bestehen. Die Bedingungen drumherum werden dort angepasst, wo es notwendig ist.

Und irgendwann wirkt genau das nicht mehr besonders. Und dann steht jemand am Abschlag, nimmt einen Schläger aus dem Bag, schaut Richtung Fairway und versucht genau dasselbe wie jeder Golfer.

Einen guten nächsten Schlag zu spielen.

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