Lars van der Vight gewinnt die German Challenge powered by VcG im Wittelsbacher Golfclub. Nach seiner historischen Traumrunde muss der Niederländer im Finale noch einmal kämpfen. Hurly Long begeistert als bester Deutscher mit einer starken Schlussrunde.
Es gibt Golfrunden, die ein Turnier prägen. Und es gibt Golfrunden, die eine Karriere verändern können. Lars van der Vight spielte am Freitag im Wittelsbacher Golfclub eine dieser Runden: 59 Schläge, zwölf unter Par, ein Eintrag in die Geschichtsbücher der HotelPlanner Tour.
Zwei Tage später stand der 23-jährige Niederländer auf dem 18. Grün nicht nur als Mann der Woche, sondern auch als Turniersieger fest. Mit insgesamt 17 Schlägen unter Par gewann van der Vight die sechste Ausgabe der German Challenge powered by VcG und feierte damit seinen ersten Titel auf der zweithöchsten europäischen Profigolf-Tour.
Was nach seiner historischen zweiten Runde und fünf Schlägen Vorsprung zunächst nach einem kontrollierten Durchmarsch ausgesehen hatte, entwickelte sich am Finaltag jedoch zu einem echten Kampf.
Van der Vight, der vor der Saison als Gesamtsieger der Pro Golf Tour auf die HotelPlanner Tour aufgestiegen war, musste am Sonntag früh erkennen, wie schnell sich ein komfortabler Vorsprung im Profigolf auflösen kann. Ein Doppel-Bogey brachte die Konkurrenz zurück ins Spiel. Der Franzose Julien Sale, erst eine Woche zuvor Turniersieger in Frankreich, rückte bedrohlich nahe.
Plötzlich ging es nicht mehr um die Frage, wie deutlich van der Vight gewinnen würde. Es ging darum, ob er seine außergewöhnliche Woche tatsächlich mit dem Titel krönen konnte. Der Niederländer blieb ruhig. Birdies an den Bahnen 12 und 15 verschafften ihm den entscheidenden Abstand. Auf den Schlusslöchern verteidigte er einen knappen Vorsprung und beendete das Turnier mit einer 70er-Runde. Sale wurde bei 16 unter Par Zweiter, Wouter de Vries aus den Niederlanden und der Australier Quinnton Croker teilten sich mit jeweils 15 unter Par Rang drei.
„Mental war heute die schwerste Runde der ganzen Woche“, sagte van der Vight nach seinem Sieg. Nur selten habe er auf die Leaderboards geschaut. Stattdessen habe er versucht, Schlag für Schlag weiterzuspielen.
Eine Woche lang hatte er den anspruchsvollen Kurs des Wittelsbacher Golfclubs nahezu perfekt im Griff. Dabei blieb vor allem seine 59 vom Freitag das sportliche Ausrufezeichen. Es war erst die fünfte Runde unter 60 Schlägen in der 40-jährigen Geschichte der Tour.
„Ich fühle mich fantastisch, auch wenn es sich noch gar nicht richtig real anfühlt“, sagte van der Vight. „Ich bin wirklich stolz darauf, wie ich mich am Wochenende durchgekämpft habe.“
Mit seinem ersten Titel macht der Rookie auch in der Saisonwertung einen großen Sprung. Vor der Turnierwoche war er lediglich auf Rang 66 geführt worden. Nun darf er den Blick zunehmend in Richtung DP World Tour richten.
Aus deutscher Sicht gehörte der Finaltag Hurly Long. Der 30-Jährige spielte zum Abschluss eine 67 und arbeitete sich damit bis auf den geteilten fünften Platz nach vorne.
Sein Birdie an der 18 war der passende Schlusspunkt unter eine Woche, in der Long nicht nur spielerisch überzeugte, sondern offenbar auch mental wieder etwas gefunden hat. Mit insgesamt 13 unter Par beendete er die German Challenge als bester Deutscher.
„Ich habe die ganze Woche gut gespielt“, sagte Long. Vor allem in der zweiten Runde seien zahlreiche Putts knapp am Loch vorbeigelaufen. Entscheidend sei gewesen, nicht ungeduldig zu werden.
Für den Olympiateilnehmer von Tokio war es das erste Top-Ergebnis nach mehreren schwierigen Monaten und zahlreichen verpassten Cuts. Entsprechend wertvoll war der fünfte Platz nicht nur für die Saisonwertung, sondern auch für das Selbstvertrauen.
Dass das Ergebnis ausgerechnet beim einzigen deutschen Turnier der HotelPlanner Tour gelang, machte die Woche für Long zusätzlich besonders. Familie, Freunde und zahlreiche deutsche Zuschauer begleiteten ihn auf der Anlage bei Neuburg an der Donau.
„Ich spiele einfach gerne in Deutschland“, sagte Long. „Viele Dinge sind diese Woche zusammengekommen.“
Auch Tiger Christensen zeigte erneut, dass er sich auf diesem Niveau etabliert hat. Der 22-Jährige, der bereits im vergangenen Jahr im Wittelsbacher Golfclub den elften Rang belegt hatte, kam diesmal mit elf unter Par auf den geteilten 15. Platz.
Ganz zufrieden war Christensen nach seiner Finalrunde dennoch nicht. Bei guten Scoring-Bedingungen fehlte ihm vor allem auf den Grüns die letzte Konsequenz. Immer wieder folgte auf ein Birdie ein Schlagverlust, der einen möglichen Angriff auf die Top Ten ausbremste.
Lange Zeit zum Ärgern bleibt ihm allerdings nicht. Bereits in der kommenden Woche wartet mit der Open Championship in Royal Birkdale eine der größten Bühnen des internationalen Golfsports.
Christensen will den besonderen Rahmen des Majors dabei nicht größer machen als nötig. Fairways treffen, Grüns anspielen, Putts lochen – der Plan bleibt derselbe wie auf der HotelPlanner Tour.
Einen bemerkenswerten Auftritt zeigte auch Amateur Thomas Schmidt. Der 24-Jährige, der sein Studium an der Arkansas State University als erfolgreichster Golfer der Universitätsgeschichte abgeschlossen hat, brachte vier Runden unter Par ins Clubhaus und belegte bei neun unter Par den geteilten 25. Rang.
Sein Ergebnis war weniger von spektakulären Serien als von Konstanz und Widerstandsfähigkeit geprägt. Auch aus schwierigen Situationen rettete Schmidt mehrfach noch ein Bogey, wo deutlich höhere Ergebnisse möglich gewesen wären.
Nach dem kommenden Spieltag der Deutschen Golf Liga für den GC Hösel will Schmidt offiziell ins Profilager wechseln. Starts bei Turnieren der HotelPlanner Tour in Tschechien und Estland sind bereits geplant.
Das Ziel ist klar: Mit guten Ergebnissen möchte er sich frühzeitig eine möglichst starke Kategorie für die kommende Saison erspielen. Der Auftritt im Wittelsbacher Golfclub dürfte ihm dafür zusätzliches Selbstvertrauen gegeben haben.
Neben Schmidt beendete auch Christian Bräunig das Turnier auf dem geteilten 25. Platz. Jan Schneider wurde geteilter 36., Velten Meyer belegte Rang 46, Linus Lang Rang 54. Nick Bachem und Alexander Knappe komplettierten das deutsche Ergebnis im Wochenende.
Die German Challenge powered by VcG zeigte auch in ihrer sechsten Ausgabe, dass ein modernes Profiturnier mehr sein kann als eine Ergebnisliste.
Zwischen Abschlag 1 und Grün 18 entstand über die Turniertage eine Mischung aus internationalem Spitzensport, Nachwuchsförderung und Eventerlebnis. Zuschauer konnten die Spieler aus unmittelbarer Nähe erleben, während Simulatoren, gastronomische Angebote und verschiedene Aktionsflächen für Abwechslung abseits der Fairways sorgten.
Zu den Höhepunkten gehörte das „Beat the Pro“ am Samstag. Rund 35 Kinder und Jugendliche nahmen zunächst an einer Trainingseinheit mit Profigolfer Marc Hammer teil. Fünf von ihnen durften anschließend während der laufenden Turnierrunde gegen die Profis antreten.
Aus rund 90 Metern schlug Nachwuchsgolfer Paul seinen Ball nur wenige Meter hinter die Fahne – und bewies dabei vor Zuschauern und Spielern bemerkenswerte Nerven.
Auch die Players Party am Freitagabend gehörte erneut zum festen Bestandteil der Turnierwoche. Unter dem Motto „Karaoke & Danceparty“ trafen Spieler, Partner und Gäste abseits des sportlichen Wettbewerbs zusammen.
Das Teilnehmerfeld unterstrich die sportliche Bedeutung des Turniers. Neben 22 deutschen Spielern standen mehr als ein Dutzend Profis mit mindestens einem Titel auf der DP World Tour am Abschlag. Zusammengerechnet brachten sie rund 30 Siege auf Europas höchster Tour mit nach Bayern.
Für junge deutsche Professionals ist die German Challenge deshalb weit mehr als ein Heimturnier. Sie ist eine seltene Gelegenheit, sich auf internationalem Niveau zu beweisen, Weltranglistenpunkte zu sammeln und sich auf dem Weg zur DP World Tour weiterzuentwickeln.
Der Wittelsbacher Golfclub bot dafür erneut eine anspruchsvolle und hervorragend vorbereitete Bühne. Greenkeeping-Team, Mitglieder und zahlreiche Volunteers hatten auch unter schwierigen Bedingungen in der Vorbereitung dafür gesorgt, dass sich der Platz während der Turnierwoche in erstklassigem Zustand präsentierte.
Am Ende blieb jedoch vor allem ein Name mit der Woche verbunden: Lars van der Vight.
Er kam als Rookie nach Bayern, spielte eine der besten Runden in der Geschichte der HotelPlanner Tour und widerstand im Finale dem Druck der Verfolger. Aus einer 59 wurde ein Titel – und aus einer außergewöhnlichen Turnierwoche möglicherweise der Beginn einer noch größeren Geschichte.